Chaosradio Express #68: KDE 4.0

Tim Pritlove und Daniel Molkentin im Gespräch über KDE 4.0, aufgezeichnet kurz vor dem Release-Event in Bonn.

KollabFrame

Die KDE-Entwickler arbeiten an einem neuen Projekt das mittelfristig ein weiterer Pfeiler von KDE werden könnte: KollabFrame. Im Kern soll ein Framework entstehen, das die grenzenlose und verteilte Arbeit an Inhalten in Echtzeit ermöglicht. Beispiele sind Texteditoren (SubEthaEdit), Videos (SyncVue), Mind Maps etc.

Die notwendigen Techniken (Netzwerklayer, Algorithmen, Storage etc.) sind als Einzelteile bereits vefügbar, was fehlt ist ein zentrales Framework mit einfachen Schnittstellen. KollabFrame will hier schaffen was in anderen Bereicht bereits mit Phonon (Multimedia), Decibel (Kommunikation) und Akondi (PIM) eingeführt wurde.

Aaron Seigo hat die Notwendigkeit kollaborativer Techniken bereits in seiner KDE 4.0 Keynote erwähnt. Das Brainstorming findet auf einer Google-Groups-Seite statt.

OSS-Treiber-Updates von NVIDIA

Ob und wie genau NVIDIA sich überhaupt in die Entwicklung freier Treiber (xf86-video-nv, nouveau, Phoronix bereichtete) einbringen wird ist noch unbekannt, Aaron Plattner lässt jedenfalls schon ein Mal kleine Taten sprechen: Patches für die derzeit verfügbaren Versionen 2.0 (X.Org 7.1 und früher) und 2.1 (X.Org 7.2 und später) von xf86-video-nv bringen einige Bugfixes sowie (2D-)Unterstützung für GeForce 8800GT und Quadro FX 3700.

3D-Unterstützung für AMD RS690

Die aktuelle Entwicklerversion des freien radeon-Treiber unterstützt ab sofort grundlegende 3D-Beschleunigung für den AMD RS690G Chipsatz mit integrierter Grafik. glxgears läuft bereits, Compiz noch nicht.

Der Grafikteil des RS690G ist ein Hybrid aus den Chipserien r400 (3D-Teil) und r500 (Modesetting) ohne Vertex Shader.

Behind the scene: Bloody Omaha

Ein YouTube-Video zeigt eindrucksvoll die Arbeiten für eine Geschichtsdoku der BBC, für die die Invasion der Aliierten am Omaha Beach nachgestellt wurde. Nur drei Schauspieler und vier Tage waren für sämtliche Kameraaufnahmen nötig - der Rest kommt aus dem Computer.

Microsoft: SMP ist nutzlos

Microsoft treibt mal wieder ein lustiges Marketing-Spielchen: Weil Vista nicht auf mehr als vier Cores skaliert und ein zweiter Core auf Windows-Systemen sowieso nur für Virenscanner da ist finanziert man nun eine Studie, die herausfinden soll, was der normale Desktop-Nutzer denn eigentlich mit Quad- und Mehr-Cores anfangen soll.

Falls Microsoft bis zum Abschluss der Studie keine Lösung für das Skalierungsproblem hat wird Bill Gates eben nächstes Jahr "2 Cores ought to be enough for anybody" verkünden.

Namesys aufgelöst

Vor über einem Jahr kündigte Hans Reiser den Verkauf seiner Softwarefirma Namesys an, um davon die Anwaltskosten des laufenden Mordprozesses bezahlen zu können. Mittlerweile ist die Firma aufgelöst, die Webseite nicht mehr erreichbar. Die Entwicklung soll über die Community weiterlaufen.

Der Fall des Hans Reiser war tief. Während ReiserFS in Version 3.6 set Kernel 2.4.18 Teil von Linux ist stieß der von Namesys kommerziell entwickelte Nachfolger Reiser4 auf starken Widerstand - zu neu das Konzept, zu groß die Differenzen zwischen Hans Reiser und den angestammten Kernel-Entwicklern, zu wenig Einsicht auf Seiten der Entwicklerschmiede Namesys. Auch als zwischendurch immer wieder Kritikpunkte beseitigt wurden und Andrew Morton zweitweise gar Hoffnungen auf eine Aufnahme in den Vanilla Kernel machte fand sich schlicht und einfach niemand der den Code kontrollieren wollte - Christoph Hellwig brach den laufenden Review ab, die Fronten verhärteten sich vor allem an der bemängelten Code-Qualität und am Plugin-Konzept.

Obwohl Reiser4 von der DARPA gesponsert wurde und angeblich kommerzielles Interesse daran bestand fand es sich in den meisten Distributionen nicht wieder, musste es doch von Hand in die Kernel-Quellen gepatcht werden. Auch wurde Reiser4 primär nur für x86/x86_64 entwickelt - Ports für andere Plattformen liefen instabil oder mit weit schlechterer Performance. Im Laufe der Zeit gingen die Distributoren dazu über das alte ReiserFS 3.6 gegen ext3 einzutauschen, SuSe änderte sogar die Default-Optionen des Installers entsprechend ab.

Als Reiser selbst Ende 2006 unter Mordverdacht geriet und in Untersuchungshaft wanderte war der Schlamassel perfekt - die Stimmen aus dem Reiser4-Lager verstummten, Änderungen am Code wurden kaum noch vorgenommen.

Ob Reiser4 überhaupt weiter existieren kann oder sogar jemals eine Chance auf Integration in die offiziellen Kernel-Quellen hat ist äußerst fraglich - das aktuelle Entwicklungsteam schafft es scheinbar nicht ein Mal die Webseite online zu halten.

Sun kauft MySQL

Sun kauft die schwedische MySQL AB für eine Milliarde Dollar. Ziel ist die Etablierung der hauptsächlich für Web-Anwendungen genutzten Datenbank bei großen Firmenkunden, in Zukunft soll MySQL auch stärker mit Sun-Technik (ZFS, Lustre, Niagara 2) integriert werden.

Gedanken zu KDE 4

Positiv:

  • Die 3D-Effekte laufen auf einer ATI X600 mit dem freien Radeon-Treiber Hardware-beschleunigt und flüssig - 3D-Desktop ohne Gefrickel
  • Besserer Zugriff auf Wechselmedien aus den Dateidialogen
  • Dolphin zeigt HAL-Fehler in einer roten Leiste an (z.B. Wechselmedium kann nicht ausgeworfen werden)
  • Eye-Candy ist dezent und schlägt nicht all zu sehr auf die Rechenleistung
  • Kopete kann ICQ File Transfers
  • Okular unterstützt PDF Annotations
  • Druckdialoge sind auch ohne KDEPrint ganz ordentlich

Negativ:

  • Plasma-Design wirkt auch bei 1440x1050 noch "groß"
  • KDE PIM wurde noch nicht portiert
  • Kein Lautstärkeregler-Plasmoid (zumindest finde ich keines, lässt sich aber durch KMix abdecken)
  • Kein Systemüberwachungs-Plasmoid (zumindest finde ich keines)
  • Vereinzelt nervige Bugs, z.B. startet das Panel manchmal nicht
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